Da bei der fränkischen Landnahme und bei der
Entstehung der fränkischen Königshöfe großer Wert auf Erreichbarkeit gelegt
wurde kam es zur Errichtung von festen Wegen und Wechselstationen für Reiter
und Transporte. Dies war wichtig um die Abgaben zwischen den Königshöfen
sicher transportieren zu können. Diese Transportwege wurden auch Rennwege genannt.
Zur Sicherung dieser Wege wurden Turmhügel errichtet. Die
Wechselstation für die Pferde war der bäuerliche Hof der zu jeder
dieser Wehranlagen gehörte. In
den meisten Fällen waren es natürliche geologische Erhöhungen die als Turmhügel
genutzt wurden und befestigt waren. Die
Turmhügel waren meistens mit hölzernen Türmen bestückt und mit Wallgräben
umgeben. Durch den erhöhten Standort der Türme war eine sehr gute Sicht auf
die Reiserouten der Reisenden möglich. Diese Stationen waren für reitende, königliche Boten
und für die Transporte von großer Wichtigkeit . Bei uns in der Gegend sind bekannt der
Spielberg bei
Rüdisbronn, die Wehranlage in Herbolzheim
am Ortsausgang nach Krautostheim und
der Wildberghof bei Ulsenheim.
Der Abstand dieser Turmhügel zueinander betrug zwischen 4 und 6 Kilometer. Zu
karolingischer Zeit nannte man eine solche Strecke eine "Rast". Hier
konnte ein abgetriebenes Pferd durch ein neues ersetzt werden. Der Weg der in unserer Gegend die Königshöfe
verband führte über den Osing
an der Kalten Eiche nach Krautostheim hinunter über den Königshof Herbolzheim
nach Wildberg und zweigte sich dort zum Königshof Gollhofen und zum
Hohenlandsberg weiter nach Frankenberg und Schwanberg. TurmhügelUm 700 n.Chr. verteidigte sich die
Bevölkerung noch auf alten, auf Höhen gelegenen, ringwallbewehrten
Anlagen. Im 9. und 10. Jahrhundert zeigen sich in Franken bereits die
ersten Anfänge frühmittelalterlichen Burgenbaues. Diese Zeit beginnt
mit einem besonderen Burgentyp, dem runden Turmhügel, der als
Vorläufer der späteren Wasser - und Höhenburgen zu sehen ist.
Kennzeichnend für einen Turmhügel ist, daß der erhöhte Erdhügel
stets von einem oder mehreren tiefen Gräben (besonders Wassergräben)
umzogen ist. Das beim Bau des Turmhügels aus dem Ringgraben gewonnene
Erdreich wurde zum Aufschütten des kegelförmigen Erdhügels verwendet.
Leider wurden die meisten Turmhügel in den beiden letzten Jahrhunderten
abgebrochen und die gewonnenen Steine für den privaten Hausbau
verwendet. Turmhügel in unterschiedlichen Zustand befinden sich in
unserer Gegend: z.B. in Oberdachstetten, Mörlbach, Rüdisbronn
(Spielberg), Herbolzheim, Spielberg bei Oberdachstetten, Endsee,
Gräfenbuch, Hornau. Alle diese Turmhügel wurden im 10. und 11.
Jahrhundert errichtet, was durch Keramikfunde und urkundliche Beweise
gesichert ist.
Diese
Wehranlagen bestanden in der Regel aus einem mehrere Meter hohen
aufgetragenen oder natürlichen Erdhügel von abgeplatteter Kegelform,
auf dem ein mehrere Stockwerke umfassender Turm aus Holz oder Steinen
errichtet war. (siehe Abb.) Um den Hügel herum zog sich stets ein
mehrere Meter breiter und tiefer Graben, bei einigen Anlagen war dieser
mit Wasser gefüllt. Teilweise wurde dem Wassergraben ein Ringwall
vorgelagert. Der Zugang zum Turm war nur über einen Steg oder eine
Leiter erreichbar, da die Eingangstür im ersten Stockwerk lag. Die
Gesamtanlage war noch von einem kräftigen Palisadenzaun, der aus
starken zugespitzten Baumpfählen hergestellt war, umzogen, dem noch
Dornenhecken und Astverhaue von mehreren Meter Tiefe vorgelagert waren.
Diese Burganlagen, die besonders in Nordfrankreich und am Niederrhein,
der Urheimat der Franken vorkommen, unterscheiden sich von den
mittelalterlichen Höhenburgen dadurch, daß sie "Erdburgen"
sind, da sie abgesehen vom Turm, keinerlei Mauerwerk aufweisen. Diese
Turmhügel sind keineswegs einheitlich gebaut, je nach Lage im Gelände
ergaben sich teilweise recht wesentliche Unterschiede. Turmhügel,
die in Tälern errichtet wurden und deren Ringgraben mit Wasser gefüllt war,
stellen wohl den ältesten Typ dieser Anlagen dar. Es waren echte
Wasserburgen einfachster Bauart, deren Vorgelände teilweise noch stark
versumpft war, um den angreifenden Feind den Zutritt zu erschweren. Da
derartige Turmhügel auch im höheren Gelände angelegt wurden, wo es
meist an Wasser mangelte, ergaben sich natürlich entsprechende
Änderungen in der Bauweise. Die Grundform des Turmhügels blieb aber
immer erhalten, nur der Wassergraben wurde zu einem Trockengraben, der
mit zusätzlichen Palisaden, Dornenhecken und Astverhauen gesichert
wurde. Die
kleineren Turmhügel ca.15 - 20 Meter Durchmesser waren reine
Wachtürme, die nur zu Kriegszeiten besetzt waren. Die größeren
Turmhügel ca. 20 - 45 Meter Durchmesser trugen größere Türme,
sogenannte Wohntürme, die ständig bewohnt waren. Es waren Rittersitze
und
Stammsitze der späteren Adelsgeschlechter, die im 12. und 13.
Jahrhundert sich in nächster Nähe Hochburgen erbauten und dann
übersiedelten. Bei Wohntürmen handelte es sich meist um viereckige
Türme aus Holz oder Stein mit einem Durchmesser von 8 bis 12 Metern,
diese waren genauso bewehrt wie Wachtürme. Der Wohnturm, war das
einzige Bauwerk, das der Hügel trug. Vereinzelt wurden später noch
Wirtschaftsgebäude und Nebengebäude hinzugefügt, diese Anlagen werden
aber dann als Turmhügelburgen bezeichnet. Man kann davon ausgehen, daß
zu jeden Wohnturm ein Gutshof gehörte der zur Versorgung der Bewohner
diente. In späteren Jahren hat der
ursprüngliche Turmhügel noch eine durchgreifende Änderung
erfahren, seine runde Form änderte sich in einen quadratischen oder
rechteckigen Grundriß. Das Turmhügelplateau wurde ebenfalls
quadratisch oder rechteckig. Die Bewehrung mit Gräben und Wällen,
wurde wie bei den runden Turmhügeln angelegt. |
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Frühmittelalterliche Turmhügel
in Franken
von Dr. h. c. Karl Gumpert